← Sourcing Intelligence

EU Green Claims Richtlinie Bangladesh: Compliance-Leitfaden für deutsche Marken

In brief: Die EU Green Claims Richtlinie verlangt ab 2026 für jede Bangladesh-Beschaffung deutscher Marken, dass Nachhaltigkeitsaussagen durch unabhängig verifizierte Dokumentation belegt werden. LEED Gold und GOTS qualifizieren als drittgeprüfte Nachweise; Selbstdeklarationen der Lieferanten reichen nicht mehr aus. Die Beweislast verschiebt sich vom Regulator zur Marke — abgelaufene Zertifikate werden als nicht substantiierte Behauptung gewertet.

2026

Volle Durchsetzung

EU Green Claims Richtlinie tritt in scharfe Auslegung.

<50

LEED Gold/Platin

Bangladesh-Fabriken mit der höchsten LEED-Stufe.

48 h

Belegabruf

Frist, in der die Dokumentation verfügbar sein muss.

Bengal Origin Co. · Green Claims Compliance Bangladesh

In Bangladesh führe ich seit 25 Jahren Beschaffung für europäische Marken durch. Was sich 2026 ändert, ist nicht die Realität in den Fabriken — die ist messbar und dokumentiert. Was sich ändert, ist die Beweislast. Eine deutsche Marke konnte bisher "nachhaltig produziert in Bangladesh" schreiben und auf Anfrage etwas vorlegen. Die EU Green Claims Richtlinie kehrt das um: ohne dokumentierten, unabhängig geprüften Nachweis gilt die Aussage als irreführend.

Was verlangt die EU Green Claims Richtlinie konkret von Bangladesh-Lieferanten?

Die Richtlinie fordert drei Eigenschaften für jede umweltbezogene Werbeaussage: unabhängige Vergabe, dokumentierte Metriken, nachprüfbare Methodik. Für die Bangladesh Beschaffung heißt das konkret: Wenn eine deutsche Marke "produziert in einer LEED-zertifizierten Fabrik" schreibt, braucht sie die LEED-Urkunde mit Punktezahl und Stufe — Certified, Silver, Gold oder Platinum. Wenn sie "Bio-Baumwolle" schreibt, braucht sie das GOTS-Zertifikat mit Chain-of-Custody-Nummer. Wenn sie "fair produziert" schreibt, braucht sie BSCI- oder Sedex-SMETA-Audits mit dokumentiertem Score.

Die Marken, mit denen ich spreche, haben fast immer eine Werbeaussage. Sie haben fast nie die Quelldokumentation parat. Die Belege existieren in Bangladesh — sie sind nicht abgerufen. Das ist der Unterschied zwischen "die Fabrik ist LEED-zertifiziert" und "wir können die LEED-Urkunde mit Punktezahl innerhalb von 48 Stunden vorlegen". Die Richtlinie verlangt das Zweite.

Welche Zertifizierungen halten der Prüfung 2026 stand?

Nicht jede Zertifizierung überlebt die Green Claims Directive. Drei Tests entscheiden: extern vergeben, dokumentiert messbar, methodisch nachprüfbar.

LEED besteht. Vergeben vom US Green Building Council, mit veröffentlichter Punktevergabe und externer Auditierung. In Bangladesh halten weniger als 50 Fabriken LEED Gold oder Platinum — eine konkrete, prüfbare Zahl. Was LEED Gold genau misst, habe ich separat dokumentiert.

GOTS besteht. Mindestens 70% organische Faser, dokumentierte Verarbeitungskette, Abwasserprüfung. OEKO-TEX Standard 100 besteht für Produktaussagen zur chemischen Sicherheit.

BSCI besteht eingeschränkt — als Stichtagsaudit dokumentiert es Arbeitsbedingungen am Audittag, nicht laufende Überwachung. Warum BSCI-Audit-Scores keine Lieferzuverlässigkeit voraussagen, ist eine separate Diskussion.

Was nicht besteht: Selbstdeklarationen, "Wir kennen die Fabriken"-Aussagen von Buying Houses, interne Compliance-Reports ohne externe Verifizierung, Audits, die der Lieferant selbst durchgeführt hat.

Die Gegenüberstellung unten zeigt, was deutsche Marken heute typischerweise vorlegen — und was die Richtlinie tatsächlich verlangt.

Werbeaussage Was Marken oft vorlegen Was die Richtlinie verlangt
LEED-zertifiziert Lieferantenangabe Urkunde mit Punktezahl + Stufe
Bio-Baumwolle Etikett oder Aussage GOTS-Zertifikat mit Chain-of-Custody
Chemisch sicher Allgemeine Konformität OEKO-TEX Standard 100 Nummer
Fair produziert Verbalbestätigung BSCI/SMETA mit aktuellem Score
Nachhaltig Marketing-Aussage Mehrere geprüfte Belege kombiniert

Quelle: Bengal Origin Co. Compliance-Audit von 12 mittelständischen europäischen Buying-House-Engagements, 2024-2026.

Warum reichen Lieferanten-Selbstdeklarationen nicht mehr aus?

Das ist die zentrale Verschiebung. Bisher galt: der Lieferant erklärt die Compliance, der Käufer archiviert die Erklärung. Ab 2026 gilt: die Marke trägt die Beweislast.

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren zwölf Engagements mit deutschen mittelständischen Marken auditiert. In zehn Fällen lag eine Lieferanten-Selbstauskunft vor, in der die Fabrik bestätigte, BSCI-konform zu produzieren. In sechs Fällen lag das aktuelle BSCI-Zertifikat nicht im Ordner. In drei Fällen war das Zertifikat abgelaufen.

Das ist kein operatives Versagen — die Fabriken waren in der Regel konform. Das ist ein Dokumentationsversagen, und unter der Green Claims Richtlinie ist das ein regulatorisches Risiko. Die Richtlinie unterscheidet nicht zwischen "wir hatten das Zertifikat einmal" und "wir haben das Zertifikat aktuell verfügbar". Dokumentationslücken werden als nicht substantiierte Behauptung gewertet — und damit als irreführende Werbung.

Wie dokumentieren deutsche Marken ihre Bangladesh-Lieferkette korrekt?

Drei Dinge müssen vorliegen — abrufbar innerhalb von 48 Stunden, nicht "irgendwo im Archiv".

Erstens: Aktuelle Zertifikate jeder Fabrik in der Lieferkette. LEED-Urkunde mit Punktezahl, GOTS-Zertifikat mit Chain-of-Custody-Nummer, BSCI-Audit-Report mit Score, OEKO-TEX-Nummer. Mit Ablaufdatum dokumentiert und vor Ablauf erneuert.

Zweitens: Schriftliche Untersagung der Subkontraktierung pro Auftrag. 2022 verlor mein damaliger Hauptfabrikpartner die Bankfinanzierung mitten in der Produktion und übernahm Subkontraktarbeit, um operative Kosten zu decken. Ich hatte keine schriftliche Untersagung in Auftrag und Servicevertrag. Die Vereinbarung war mündlich. Eine mündliche Vereinbarung unter Finanzdruck ist nichts wert. Eine Subkontraktierung an eine nicht zertifizierte Fabrik macht die Aussage "produziert in LEED-Gold-Fabrik" wertlos.

Drittens: Laufende Überwachungsnachweise zwischen Audits. Die CSDDD-Anforderungen für Bangladesh-Beschaffungspartner und die Green Claims Richtlinie überschneiden sich hier — beide verlangen kontinuierliche Beweise, nicht Stichtagszertifikate.

Was das für deutsche Marken bedeutet

Die Green Claims Richtlinie verändert nicht, was in Bangladesh produziert wird. Sie verändert, was eine deutsche Marke dokumentieren muss, um darüber sprechen zu dürfen. Eine Marke ohne Zugang zu LEED-Urkunden, GOTS-Zertifikaten und laufenden Überwachungsprotokollen wird ihre bestehenden Werbeaussagen 2026 zurückziehen müssen — oder sie unter regulatorischem Risiko fortführen.

Mein praktischer Vorschlag: Auditieren Sie Ihre aktuellen Werbeaussagen gegen die vorliegende Dokumentation. Für jede Nachhaltigkeitsaussage auf Ihrer Website, in Ihren Katalogen, auf Ihren Produkten — fragen Sie: Kann ich den Beleg innerhalb von 48 Stunden vorlegen, ist er extern verifiziert, ist er aktuell? Wenn eine dieser Antworten Nein lautet, ist die Aussage ein 2026-Risiko. Weitere Hintergründe unter bengalorigin.co/sourcing-intelligence/.

Wenn Sie Ihre Bangladesh-Lieferkette gegen die Green Claims Richtlinie 2026 prüfen wollen, bespreche ich gerne, wie eine vollständige Dokumentationsaufnahme in der Praxis aussieht.

Start a conversation →